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#1

PLUSMINUS Mi, 04.07.12/Gestreckte Lebensmittel/"Schnittfestes Wasser" statt gutem Fleisch

in Diskussionen 17.07.2012 07:30
von RüMüllerFT34 | 41 Beiträge | 10 Punkte
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 04.07.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Wieder wird die/eine ganze Branche öffentlich an den Pranger gestellt, obwohl sie legal arbeitet.
Wo ist er denn, unser geliebter mündiger Verbraucher. Wo bleibt denn die Erklärung der Verbraucherverbände, dass sie der angeprangerten,lebensmittelrechtlichen Konformität zugestimmt hat?
Sommerloch? Was soll das? Wo ist denn mal eine Gegenstimme aus der Fleischwaren produzierenden Industrie, die hier mal contra gibt?

Alle wollen (fr)essen aber die, die es produzieren, dass sind immer die gaaaaanz, gaaaaanz Bösen. Vor allem natürlich wenn leitsatzkonform und auch sonst einwandfrei gearbeitet wird.




Rückschau: Gestreckte Lebensmittel

"Schnittfestes Wasser" statt gutem Fleisch




(© SWR) In vielen Lebensmitteln steckt schon ganz natürlich Wasser. Doch etliche Produzenten reichern ihre Bratwurst, ihren Schinken oder ihr Hack sogar noch zusätzlich und künstlich mit preiswertem Wasser an, um dann noch mehr Menge teuer verkaufen zu können. PLUSMINUS hat Tests durchgeführt und zeigt die Tricks der Lebensmittel-Branche.


Ein Fünftel Wasser

400 Gramm Hackfleisch enthalten nicht selten ein Fünftel Wasser - das sind gut 80 Milliliter, die zum Teil erst nachträglich hinzukommen. Der Verbraucher ahnt nicht, dass er nicht nur das reine Hackfleisch kauft, sondern auch billiges Wasser.
Der Trick: Der Hersteller schreibt auf dem Etikett, dass es eine "Zubereitung" ist, und gibt das Wasser im Kleingedruckten an.
Wasser - künstlich schnittfest gemacht und teuer verkauft – ist ein gängiger Trick bei Fleischwaren: Wir kaufen Bratwurst, Schinken und Leberwurst bei verschiedenen Discountern und Supermärkten ein. Im Labor lassen wir untersuchen, wie viel Fremdwasser enthalten ist.


Sehr viel Fremdwasser in der Wurst
Das Ergebnis: In einem 540-Gramm-Wurstpaket von Zimbo etwa stecken 280 Milliliter Wasser. Ein Teil davon ist Eigenwasser aus dem Fleisch. Aber 65 Milliliter hat der Hersteller nachträglich dazugegeben. Noch mehr Wasser enthält ein Bratwurstpaket von Tip: 320 Milliliter, ein Viertel davon Fremdwasser.
Vor allem billige Würste sind ganz schön wässrig: Um bis zu 14 Prozent sind sie gestreckt. Die Firmen streiten die Zugabe von Wasser oder Eis nicht ab.
Zimbo gibt zu: "… in der vergleichsweise günstigen Zimbo Family-Bratwurst ist eine Eiszugabe von durchschnittlich 12 Prozent vorgesehen. … Schließlich ist der Preis nicht zuletzt auch abhängig von der Rezeptur."


Kalorien reduzieren durch Wasserzugabe?

Teure Light-Produkte sind ebenfalls sehr wässrig. Die Leberwurst von "Du darfst" weist in unserer Laborprobe mit Abstand das meiste Wasser auf.
Eine fettreduzierte Bratwurst von Rewe unterscheidet sich von der "normalen" dadurch, dass weniger Fleisch, dafür mehr Wasser enthalten ist. Und teurer ist sie auch noch!
Auf unsere Anfrage verteidigt sich Rewe: "Der Gesetzgeber schreibt nicht vor, wie die Fettreduktion zu erreichen ist."


Gehört Wasser überhaupt in die Bratwurst?

Bei einer Traditionsmetzgerei in Mainz fragt PLUSMINUS, ob Wasser überhaupt in eine Bratwurst gehört. Für Metzgermeister Kurt Beuschel besteht die grobe Bratwurst nur aus Fleisch, Kochsalz, Pfeffer und Muskat – kein Wasser.
Eine feine Brühwurst dagegen braucht Eiswasser - aber ein bisschen genügt völlig. Das ist wichtig für den Zusammenhalt des Fleisches.
Der Metzgermeister kennt jedoch die Tricks der Fleischindustrie, mehr Wasser im Fleisch zu binden, zum Beispiel mit Salz und Phosphaten.


Aufgeblasener Pökel-Schinken

Auch in Schinken findet sich häufig Wasser. Das Fleisch wird gepökelt. Dazu spritzt man Salzwasser ein, das dann im Fleisch gebunden wird. In einem gewissen Rahmen ist das in Ordnung. Aber mancher Fleischbetrieb pumpt seinen Schinken regelrecht auf.
Der Mainzer Metzgermeister würde 5 Prozent pökeln, weiß aber, dass man Schinken auf 30 bis 40 Prozent hochpökeln kann. Der Endverbraucher hat dann sozusagen fast nur noch schnittfestes Wasser.


Gefärbtes Protein-Hackfleisch

Und wie kommt das Wasser ins Hackfleisch von Netto? Dahinter steckt der Wasserbinder Weizenprotein. Wir bestellen ihn im Internet. Der Hersteller verspricht, dass damit "kostengünstig" … "eine optimale Ausbeute" erreicht werden kann.
Anrührt mit Wasser und Rote-Beete-Saft ist Weizenprotein eingefärbt wie Fleisch. Vermischt mit Fleischstücken sieht es später aus wie richtiges Hack. Den Unterschied hätte selbst der Metzgermeister nicht erkannt. Eine profitable Mischung.
Und die Käufer bezahlen es mit jeder Packung: Beim Netto-Hackfleisch zahlt man 0,60 € für Fremdwasser. Bei Meica-Würstchen sind es 0,30 €. Und bei der Rewe-Bratwurst 0,26 €. Ohne Gegenwert!


Legalisierte Lebensmittel-Tricks

Die Hersteller dürfen das. Im Deutschen Lebensmittelbuch steht, was im Essen zulässig ist. Demnach dürfte die Industrie ihr Fleisch sogar noch mehr strecken - kaum zu glauben!
Der Tip-Wurst dürften statt 80 Milliliter ganze 135 Milliliter pro Packung zugesetzt werden! Erlaubt hat das eine Kommission, die bestimmt, was im Lebensmittelbuch geregelt wird. Sie soll beschreiben, was der Verbraucher von einem Lebensmittel erwartet. Wasser in der Wurst erwarten die Kunden jedoch auf keinen Fall, wie eine Stichproben-Umfrage von PLUSMINUS eindeutig ergeben hat.


Verbraucher haben das Nachsehen

Doch die Lebensmittelkommission beschließt nichts gegen den Willen der Hersteller.
In dem Gremium sitzen neben Verbraucherschützern, Kontrollbehörden und Wissenschaftlern auch Lobbyisten der Industrie. Beschlüsse müssen hier einstimmig gefällt werden. So kann die Fleischindustrie unliebsame Änderungen blockieren. Von dieser Seite ist also kaum Hilfe für den Verbraucher zu erwarten.
Solange man die Fleischindustrie gewähren lässt, wird sie die laschen Vorgaben bis an die Grenzen des Erlaubten ausnutzen. Die Krönung: Wenn uns gestreckte Produkte dann noch als besonders wertvoll und gesund verkauft werden, ist die Verbraucher-Täuschung perfekt.

Immerhin: Ein Drittel unserer Bratwurstproben kam fast ohne zugesetztes Wasser aus. Darunter selbst günstige Würste von Discountern. Es geht also auch anders!



Adressen & Links

Lebensmittel-Portal Was-wir-essen.de
Informationen zu Fleisch
=>www.was-wir-essen.de/abisz/fleisch.php
Informationen zu Fleischerzeugnissen
=>www.was-wir-essen.de/abisz/fleischerzeugnisse.php

Verbraucherinitiative:
Tipps rund ums Fleisch
=>www.verbraucher.org

Bundesministerium für Ernährung: Deutsches Lebensmittelbuch
=>www.bmelv.de

Verbraucherportal Lebensmittelklarheit:
Beschwerden über Lebensmittel
=>www.lebensmittelklarheit.de

Bundesinstitut für Risikobewertung:
Fragen und Antworten zu verdorbenem Fleisch
=>www.bfr.bund.de
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#2

Re: ARD/ PLUSMINUS / 04.07.2012/ 21.50 Uhr

in Diskussionen 23.07.2012 12:56
von RüMüllerFT34 | 41 Beiträge | 10 Punkte
Manuela.Dursun@swr.de

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihre Kritik an unserer Sendung PLUSMINUS.

Allerdings teilen wir Ihre Auffassung nicht. Die Grundthese dieses Beitrags war die Tatsache, daß in Fleischprodukten mehr Wasser ist, als der Verbraucher erwartet. Und daß es den Fleischproduzenten erlaubt ist, diese Wasseranteile zu verarbeiten. Insofern war dieser Beitrag nicht in erster Linie Kritik an den Fleischproduzenten, sondern an den an den Vorschriften.

Als Metzger müßte Ihnen doch eine Veränderung der Vorschriften durchaus recht sein - denn nur so können manche Produzenten Fleisch zu einem billigen Lebensmittel machen.

Desweiteren gebe ich Ihnen natürlich recht, daß Verbraucher häufig stark auf den Preis fixiert sind beim Einkaufen. Und für 39 cent pro 100 g kann man vermutlich kaum eine handwerklich ordentliche Bratwurst herstellen, die es mit dem Tierschutz auch noch genau nimmt. Auch das spricht dafür, diesen Beitrag so zu senden. Denn nur so erfahren Verbraucher, wie ihre "billige" Wurst hergestellt ist - und vielleicht der ein oder andere guckt bei seinem nächsten Einkauf auch auf Qualität und ist bereit, dafür auch mehr zu bezahlen.

Und letztlich: Immerhin fünf Bratwürste waren nahezu ohne Wasser hergestellt. Darunter auch die billigsten von Aldi und Lidl. Wobei wir natürlich in dem Beitrag nicht geklärt haben, wie die Qualität dieser Bratwürste generell ist (Stichworte: Fett als billige Zugabe, Separatorenfleisch, Billigfleisch, ...).

Herzlichen Dank für Ihre kritische Begleitung.

Mit freundlichen Grüßen,


Manuela Dursun
_______________________________

Manuela Dursun
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55027 Mainz

Tel. +49 (0) 6131/929 3586
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