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Staatliche Fachschule für Lebensmitteltechnik Kulmbach
Interaktiv
#1

Meisterbriefe als Diplom

in Diskussionen 07.04.2014 08:52
von RüMüllerFT34 | 38 Beiträge | 10 Punkte

04.04.2014 fleischwirtschaft.de – FRANKFURT.
Auf der oben genannten Seite wurde am 04.04.2014 folgender Artikel zur Einstufung des Meisterbriefes veröffentlicht:
Die berufliche und akademische Bildung ist mittlerweile gleichwertig. Meisterbriefe enthalten fortan den Hinweis, dass der Abschluss im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR/EQR) dem Niveau 6 entspricht. Dieser Stufe ist auch der Bachelor zugeordnet.

Wenn also der Meisterbrief nun dem Bachelor gleichgestellt wird, von der Einstufung in Niveau 6 her, stellt sich mir nun die Frage, wo ist denn bitte der Lebensmittelverarbeitungstechniker, respektive der Fleischereitechniker einzuordnen? Für eine Einstufung als Master dürfte es nicht ausreichen, klar. Wenn aber nun der Meister dem Techniker sozusagen "gleichgestellt" ist, ich sage nur Niveau 6, dann ist doch da irgendetwas schiefgelaufen. Zwischen Bachelor und Master gibt es nichts. Für den einen Grad (Master)reichts nicht und für den anderen (Bachelor) kann fast jeder in 8 Wochen (Frankfurt/ Landshut) erreichen. Es mag manch einem Handwerksmeister gefallen, ja schmeicheln, dem Bachelor gleichgestellt zu werden. Doch wenn das Niveau nun also nach unten angepasst wird, konterkariert das ja eigentlich in jeglicher Form das Ausbildungsniveau das der Technikerausbildung zugrunde liegt. Auch in vielen Stellenanzeigen ist immer wieder zu lesen: Fleischermeister oder alternativ Fleischereitechniker gesucht.
Gut viele Stellensuchende tangiert das nicht, da sie beide Qualifikationen aufweisen. Wenn jemand allerdings "nur" Techniker ist, also nur eine Alternative, na dann aber danke.
Ich persönlich finde diese Gleichstellung absolut nicht in Ordnung. Ich habe beide Ausbildungen kennenlernen dürfen, mein Meisterkurs dauerte 13 Wochen damals. In der Nachschau betrachtet, waren diese 13 Wochen locker zu absolvieren, ebenso die Prüfung. Wenn ich die Zeit in Kulmbach Revue passieren lasse, so war das eine ganz andere Dimension. Die Ausbildungsinhalte und das Ausbildungsniveau, ebenso wie das praxisrelevante Praktikum vermitteln für viele dringend notwendige Einblicke "in das Leben da draussen". Das ist was anderes als eine Platte legen, eine Aufschnitt- und eine Salamisorte produzieren und fertig. Auch das Prüfungsniveau übersteigt bei weitem das einer Meisterausbildung.

Es handelt sich also um zwei Paar Schuhe, einmal Deichmann, einmal Maßanfertigung, die jedoch von der Einstufung her keinerlei Unterscheidung erfahren. Mmmmmh, dass sollte zu denken geben.

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#2

RE: Meisterbriefe als Diplom

in Diskussionen 11.04.2014 00:34
von Patrick Beck | 7 Beiträge

Dazu habe ich auch noch eine Frage: wie verhält es sich beim Techniker mit diesem "Hinweis" auf die Niveaustufe? Bekommen alle neuen Absolventen ihn auch ins Zeugnis geschrieben? Das führt mich unweigerlich zu der Frage: Was machen alle "alten" Techniker (wie z.B. ich, VT 22, Jahrgang 2012)? Wie kann ich diesen Hinweis nachträglich führen? Ich habe in einem Forum für Techniker (aller Richtungen) gelesen, dass es nicht vorgesehen ist, seitens der KMK, ihn nachträglich einzutragen bzw. einen Nachweis zu erstellen.

Dieser Nachweis macht es auch leichter für das Gegenüber, den Techniker adäquat einzuordnen, wenn schon die Berufsbezeichnung "s. g. Techniker" nicht geschützt ist wie z.B. die des Ingenieurs.


zuletzt bearbeitet 11.04.2014 00:36 | nach oben springen
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#3

Meister = Bachelor?

in Diskussionen 28.04.2014 12:30
von RüMüllerFT34 | 38 Beiträge | 10 Punkte

Meister = Bachelor?
DQR steht für Deutscher Qualifikationsrahmen. Das klingt sperrig, spröde und nach staubtrockener Bürokratie. Aber die Sache hat es durchaus in sich. Das dahinter stehende System wird nämlich schon bald künftige Berufs- und Erwerbsbiografien beeinflussen – auch die von Studierenden. Es wird vielleicht auch manchen von den Hochschulen fernhalten, weil sich ein Studium am Ende nicht mehr auszahlen könnte.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) war voll der Freude: "Nach meiner persönlichen Einschätzung wird die Entscheidung, Meister dem gleichen Niveau zuzuordnen wie den Bachelor, die größte bildungspolitische Wirkung haben." Was will sie damit sagen?

Das ist doch ein Verbrechen am (gesunden) menschlichen Verstand, der hier betrieben wird, dass müssen doch selbst die Handwerksmeister zugeben. Meiner Meinung nach ist das eine Verwässerung des Systems. Der Meister ist in vielen Fällen eine, de facto, erkaufte Qualifikation die in Vollzeit binnen 8 Wochen erworben werden kann (da fällt kein Mensch durch, da der Schüler oder sein Chef viel Geld auf den Tisch gelegt hat). Die Technikerausbildung dauert 2 Jahre (ca. 2400 Unterrichtsstunden) und ein reguläres Studium dauert minimal 3 Jahre.Ich habe meinen Handwerksmeistertitel zwar nicht gekauft, sprich an einer privaten Meisterschule gemacht, aber ich durfte auch die Ausbildung in Kulmbach absolvieren. Ich darf also den Unterschied zwischen diesen beiden Ausbildungen mit Sicherheit beurteilen, und dieses Urteil ist eindeutig pro Technikerausbildung. Ausserdem ist ein Techniker oder Meister leistungstechnisch ja wohl kaum

Wer immer noch glaubt der Meister sei heutzutage eine ernsthafte Weiterbildung, soll sich einmal deren Lehrpläne ansehen. Da stehen dann Fächer wie z.B. "Bratenplatte dekorieren " oder ähnlich ambitionierte Anforderungen in den jeweiligen Prüfungsteilen vieler Handwerksberufe, besonders im Lebensmittelbereich. Bei der abzulegenden "praktischen Prüfung", wird das Niveau eines gut ausgebildeten Lehrlings gefordert. Ich für meinen Teil, musste mich darauf nicht vorbereiten. Ich habe es jedoch geschafft, zwei Fleischereifachverkäuferinnen die begleitend zur Technikerausbildung ihre Meisterprüfung abgelegt haben, mit 6-8 "Übungseinheiten" die Fertigkeiten für die "Zerlegung eines Hinterviertels mit ladenfertigem Zuschnitt" beizubringen. Beide haben diese Prüfung mit der Note "gut" absolviert!" Wer also die verschiedenen Qualifikationen vergleicht und zu dem Entschluss kommt der Meister wäre einem Hochschulabschluss gleichzustellen, kann nicht ganz bei Verstand sein! Oder wollen Sie (überspitzt gesagt) statt vom Chirurgen am Ende vom Metzgermeister operiert werden?

Die DQR-Niveaus: 1 und 2 entspricht die "Berufsausbildungsvorbereitung", auf den Stufen 3 und 4 folgen eine zwei- bzw. dreijährige "berufliche Erstausbildung", auf Level 5 landen Fortbildungen, "die vergleichbar sind mit dem IT-Spezialisten", die 6 erreichen der "Bachelor, der Meister, der Fachwirt und die Fachschulabschlüsse wie Techniker", auf die 7 schaffen es der "Master und der Strategische Professional (IT)", und die 8 gibt es nach erfolgreicher Promotion.


zuletzt bearbeitet 28.04.2014 12:49 | nach oben springen
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